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Überblick

Trauermantel (Nymphalis antiopa) - gelber Saum Trauermantel (Nymphalis antiopa) - mittelgelber Saum Trauermantel (Nymphalis antiopa) - hellgelber Saum Trauermantel (Nymphalis antiopa) - cremefarbener Saum Trauermantel (Nymphalis antiopa) - weißer Saum

Die Saumfarbe des TrauermantelsNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermantels kann von sattem gelb bis hellem beige/weiß variieren. Ein Grund dafür kann das Verblassen des gelben Saums während der Überwinterung des TrauermantelsNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermantels sein. Ein heller Saum kann aber auch durch eine unterkühlte Raupe verursacht werden Cech; Tudor, 2005 - Butterflies of the East Coast: An Observer's Guide.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hatte man auf den britischen Inseln die Erfahrung gemacht, dass ein Großteil der Sichtungen oder Fänge des TrauermantelsNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermantels statt der auf dem Kontinent üblichen gelben Säume bzw. Flügelränder, weiße Flügelränder besitzt. Viele sahen damals den Grund in einer eigenen britischen Rasse des Falters.

Bereits im 18. Jahrhundert war die Frage der Ursachen gelb oder weiß gefärbeter Flügelränder des TrauermantelsNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermantels Gegenstand diverser Abhandlungen.

1775 bemerkte Siegmund Adrian von Rothenburg (1745-1797)Siegmund Adrian von Rothenburg, dass in den ersten Frühlingstagen in seltenen Fällen TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel mit weißem Rand zu sehen sind. Er vermutete seinerzeit, dass dieser Effekt durch die Überwinterung von Puppen unter niedrigen Temperaturen entsteht von Rothenburg, 1775 - Anmerkungen zu den hufnagelischen Tabellen der Schmetterlinge.

Nikolaus Joseph Brahm (1754-1821)Nikolaus Joseph Brahm hat in 1791 eine längere Abhandlung zu der Thematik verfasst. Er stellt dabei fest, dass es noch nicht gelungen sei, einen Falter mit weißem Saum aus Zucht zu erhalten. Außerdem würden alle TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel mit weißem Saum Anzeichen von Abnutzung zeigen Brahm, 1791 - Handbuch der ökonomischen Insektengeschichte.

Saumfarbenuntersuchungen von Cockayne

Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne, ein englischer Mediziner und Hobby-Lepidopterologe (siehe auch Cockayne Trust, London am Natural History Museum, London) findet in seinem Artikel The White Border of Euvanessa antiopa, L. Cockayne, 1921 - The White Border of Euvanessa antiopa L. eine andere Erklärung für die weißen Flügelränder britischer TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel:

Die in der älteren britischen Literatur verwendeten umgangssprachliche Namen white border und white petticoat haben ihre Ursache in einer hohen Anzahl dort gefangener Falter mit weißen Flügelrändern.

Der Engländer Adrian Haworth (1767-1833)Adrian Haworth unterschied seinerzeit britische und kontinentale Falter anhand der Flügelrandfarbe:

  • britische Falter haben weiße Ränder.
  • Klimatypen außerhalb der Tropen, welche sich durch jahreszeitlich bedingte große Temperaturschwankungen über 20 °C der monatlichen Durchschnittstemperaturen auszeichnen. Quelle: Wikipedia.kontinentale Falter haben gelbe Ränder.

Doch Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne schließt sich dieser Theorie nicht an: Nach damaligen Stand der Forschung sei allgemein anerkannt, dass britische TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel von Gebieten außerhalb der Inseln eingeflogen sind.

Da Klimatypen außerhalb der Tropen, welche sich durch jahreszeitlich bedingte große Temperaturschwankungen über 20 °C der monatlichen Durchschnittstemperaturen auszeichnen. Quelle: Wikipedia.kontinentale Falter ausschließlich mit gelben Rändern schlüpfen und erst nach einer Überwinterung ihre weißen Flügelränder erhalten, sollten britische TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel eigentlich bereits eine Überwinterung durchlebt haben.

Allerdings steht dies im Konflikt zu klimatischen Bedingungen und Beobachtungen:

  • Das Klima der britischen Inseln lässt eine Überwinterung der Falter nicht oder nur in seltenen Ausnahmefällen zu.
  • Die Monate mit den höhsten Einwanderungsraten liegen im August und September, d.h. die einwandernden Falter werden für gewöhnlich noch keine Überwinterung durchlebt haben.

Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne versucht diesen Konflikt aufzulösen. Hierfür untersucht er Falter diverser Sammlungen, insbes. die aus dem bis heute unerreichten Einwanderungsjahr 1872. Viele der im August und September gefangenen Falter haben weiße Ränder, obwohl die Falter einen frischen Eindruck hinterlassen.

In der Sammlung des Britisches Museums fand sich schließlich ein französisches Zucht-Exemplar mit nahezu transparenten Flügelrändern und insgesamt blassen Farben. Unter dem Mikroskop erkannte Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne auf den Flügelrändern ungewöhnlich dünne, transparente, eingerollte Schuppen. Auch die blauen Postdiskalfleken zeigten Ungewöhnlichkeiten.

In der Folge untersuchte er gezielt die Schuppen der Flügelränder und stellte bei den meisten Exemplaren mit weißen Flügelrändern ähnliche Schuppendefekte (defects) fest. Hingegen zeigten Falter mit gelben Rändern durchgehend keinerlei derartige Defekte.

Aus der Tatsache, dass es viele Abweichung von der normalen Form einer ArtAberrationen von Schmetterlingen mit identischen Schuppendefekten gibt, folgert Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne, dass die Schuppendefekte schon mit dem Schlupf des Falters existieren müssen, also angeboren sind. Da sich in Temperaturexperimenten keine TrauermäntelNymphalis antiopa (Linnaeus, 1758)Trauermäntel mit weißen Flügelrändern züchten ließen, geht Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne gar von einem vererbten Merkmal aus.

Die Durchsichtung der Sammlungen führt zur Erkenntnis, dass aus Skandinavien stammenden Falter durchgehend über weiße Ränder, aus DeutschlandDeutschland, FrankreichFrankreich, ItalienItalien, RusslandRussland und dem Königreich der NiederlandeKönigreich der Niederlande stammenden Falter jedoch über gelbe Ränder oder weiße Ränder verfügen.

Sein Fazit trotz eingeschränkter Datengrundlage - insbes. bzgl. Faltern aus südlichen Gefilden:

Falter aus dem Norden verfügen über weiße Ränder - mit Schuppendefekten. Nach Süden hin nehmen Falter mit gelben Flügelrändern zu.

Somit sieht er die These des Engländers Henry Stainton (1822-1892)Henry Stainton von 1872/73 bestätigt, dass die meisten britischen Falter aus skandinavischen Ländern stammen.

Saumfarbenuntersuchungen von Chalmers-Hunt

Etwa 50 Jahre nach Edward Alfred Cockayne (1880-1956)Edward Alfred Cockayne untersuchte John Michael Chalmers-HuntJohn Michael Chalmers-Hunt die großen Einwanderungen auf die britischen Inseln von 1976 Chalmers-Hunt, 1977 - The 1976 Invasion of the Camberwell Beauty (Nymphalis antiopa L.).

Die Flügelrandfarbe frisch geschlüpfter Falter beschreibt er als variierend zwischen gelb (nach Überwinterung ausgeblichen weißlich) und weiß. Bei angeborenen weißen Rändern sind die Schuppen der Flügelränder eingerollt und pigmentlos.

Bei den 1976 eingewanderten Faltern waren sowohl gelbe, als auch weiße Flügelränder vertreten. Da nur wenige Beobachter die Farbe näher spezifizierten, existieren keine Anzahlen, die das Verhältnis widerspiegeln (wenngleich eine heutige Analyse der gefangenen Falter hier einen Anhaltspunkt geben könnte).

John Michael Chalmers-HuntJohn Michael Chalmers-Hunt zitiert Carrington Bonsor Williams (1889-1981)Carrington Bonsor Williams, der in Williams, 1958 - Insect Migration schreibt:

Specimens from Scandinavia have a paler border than those from southern Europe.