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Mögliche Wiederbesiedlung Deutschlands

NSG Ammergau; Foto: Ingo Daniels; NSG Ammergau, Bayern, Deutschland (15. Juni 2006)

Vieles spricht dafür, dass das natürliche Vorkommen des Trauermantels in den meisten Gebieten Deutschlands eher die Ausnahme als die Regel ist.

Seine Präferenz zu tendentiell kühlerem (kontinentalem) Klima und seine hohe Empfindlichkeit gegenüber Änderungen in den Lebensbedingungen, findet nur in einigen Teilen Deutschlands durch geeignete und gleichbleibende Bedingungen eine langfristige Entsprechung (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerbreitung des Trauermantels: Deutschland).

Offenbar bestätigt wird dies durch die fortschreitende Ausbreitung des Falters nach Nordeuropa und die beständigen Populationen in Nordamerika, Osteuropa und Eurasien.

Es stellt sich aber die Frage, warum es viele Berichte und Aufzeichnungen gibt, die von in der Vergangenheit teilweise sehr häufigem Vorkommen des Falters in den verschiedensten Gegenden Deutschlands erzählen?

Eine Erklärung wäre, dass es auch in nicht-typischen Antiopa-Gebieten von Zeit zu Zeit Bedingungen gibt, die zugewanderten Faltern die Basis für über einige Jahre andauernde stabile und auch sehr große Populationen liefern können.

Ändern sich die Bedingungen dann wieder zurück auf das eigentlich normale Niveau, so gehen die Bestände wieder zurück. Unterschreitet die Anzahl von Faltern eine bestimmte kritische Grenze, so verschwinden die Populationen.

Frühling im Rossbachtal; Foto: Ingo Daniels; Rossbachtal/Sieg, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (April 2003)

Wahrscheinlich waren in der Vergangenheit die Lebensbedingungen für den Falter in Deutschland aber generell besser, z.B. aufgrund gegenüber heute kälterer Winter.

Aber auch über lange Zeit beständige Populationen von typischen Antiopa-Gebieten können durch gelegentlich auftretende zufällige Änderungen in den Rahmenbedingungen vollständig zum Erliegen kommen.

Solche schlechten Rahmenbedingungen können beispielsweise untypisch warme oder kalte Winter sein, welche die Überwinterung erschweren. Ebenso Massenvermehrungen von natürlichen Feinden.

Ungünstige Wetterbedingungen im Herbst können dafür sorgen, dass es dem Falter nicht möglich ist, die für die Überwinterung notwendige Menge an Energiereserven aufzunehmen und zu speichern.

In der Realität wird es meistens eine Kombination vieler Faktoren sein, die dazu führt, dass Populationen vollständig ausgelöscht werden.

Solche "antiopa-freien" aber eigentlich typischen Antiopa-Gebiete "warten" daraufhin auf eine Wiederbesiedlung durch Einwanderer.

Altenau; Landschaft in der Gegend von Altenau.; Foto: Ingo Daniels; Altenau, Bayern, Deutschland (15. Juni 2006)

Diese wird - irgendwann einmal - durch eine ausreichende Anzahl zufällig einfliegender, verbleibender und sich paarender Falter stattfinden - vorausgesetzt die Rahmenbedingungen haben sich unterdessen nicht zum Negativen entwickelt.

Zusätzlich müssen auch Nachbargebiete besiedelt und u.a. durch üblicherweise vorherrschende Winde verbunden sein - der Trauermantel ist ein Mitwindwanderer, siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifForschung bzgl. des Migrationsverhaltens des Trauermantels, da sonst der Migrationsverlust bald wieder das Ende der Population bedeuten könnte.

Weil in vielen Gegenden für bestimmte Windrichtungen eine höhere Wahrscheinlichkeit existiert, kann es Einwanderungsgebiete geben, deren Besiedlung durch den Trauermantel unwahrscheinlicher ist.

Hoeglwoerth; Foto: Ingo Daniels; Höglwörth, Deutschland (18. Juni 2006)

Der Falter ist kein genereller Wanderfalter, sondern üblicherweise wandern nur einzelne Exemplare aus dem Ursprungsgebiet aus. Das bedeutet, dass im Einwanderungsgebiet nicht zwangsweise Paarungspartner angetroffen werden.

Ein gutes Beispiel für in unregelmäßigen Zeiträumen stattfindende Einwanderungen und deren Auswirkungen zeigt sich auf den Britischen Inseln.

Auf den Britischen Inseln können bisweilen Jahrzehnte vergehen, bis eine nennenswerte Anzahl von Trauermantel die Inseln erreicht (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerbreitung des Trauermantels: Britische Inseln).

Dort ist infolge der klimatischen Bedingungen eine erfolgreiche Überwinterung äußerst selten. Dadurch schaffen auch in "Antiopa-Jahren", wo Masseneinwanderungen stattfinden, nur wenige Falter es bis zum Frühling zu überleben, wodurch ein Zusammenfinden von Männchen und Weibchen und eine Vermehrung der absolute Ausnahmefall ist.

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