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Verbreitung und Schutz des Trauermantels (Nymphalis antiopa): Deutschland

Aktuelle Verbreitung

Hauptverbreitung des Trauermantels in Deutschland

Obwohl man dem Trauermantel in sämtlichen deutschen Bundesländern begegnen kann, gibt es nur noch wenige Gebiete, in denen der Falter bodenständig ist.

Der Trauermantel ist in Deutschland in keiner Gegend häufig anzutreffen. In vielen Gebieten, in denen der Falter einst einmal allgegenwärtig war, ist er seit Jahrzehnten nahezu vollständig verschwunden. Dazu gehören auch noch heute erhaltene naturnahe Gebiete.

Trauermantel; Foto: Ulrich Rau; Deutschland

Regelmäßig und mit konstanten Populationen kommt der Trauermantel in Deutschland nur noch in montanen Gebieten Quelle: Weidemann, 1986 - Naturführer Tagfalter Band 1 - Entwicklung-Lebensweise und in Teilen Ost-Deutschlands vor, das sind insbesondere:

Die genaue Ursache für den starken Rückgang der Art in den letzten Jahrzehnten in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist bislang nicht eindeutig ermittelt.

Es existieren verschiedene Theorien:

  • Natürliche zyklische Populationsschwankungen, z.B. durch klimatische Einflüsse, Fressfeinde oder Parasiten Quelle: Ebert/Rennwald, 1991 - Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter I Quelle: Young, 1980 - Some observations on the natural history and behavior of the Camberwell Beauty (Mourning Cloak) butterfly, Nymphalis antiopa (Linnaeus) (Lepidoptera; Nymphalidae) in the United States.
  • Eine globale Klimaänderung, z.B. durch wärmere Winter und/oder regenreichere Sommer Quelle: Kinkler, 1997 - War die Hoffnung auf die Wiederansiedlung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) im Rheinland trügerisch? (Lep., Nymphalidae).
  • Vermehrter Einsatz von Insektiziden, woduch die wichtige Nahrungsquelle "Fallobst" belastet wird Quelle: Weidemann, 1988 - Naturführer Tagfalter Band 2 - Biologie-Ökologie-Biotopschutz.
  • Zerstörung der Larvalhabitate, z.B. durch Begradigung und Säuberung von Waldsäumen, wobei u.a. Weiden und Birken entfernt werden Quelle: Settele et al., 1999 - Die Tagfalter Deutschlands.
  • "Aufräumen" von Waldgebieten mit verbundener Entfernung von Überwinterungsmöglichkeiten, wie z.B. Holzstapeln oder Reisighaufen Quelle: Settele et al., 1999 - Die Tagfalter Deutschlands.
  • Eine Epedemie bei der durch Krankheit Populationen vollständig erlöschen können Quelle: Busch, 1970 - Tag- und Nachtfalter in der Hocheifel.

1Insbesondere im Süden/Südosten von Berlin sieht man den Trauermantel oft (Hinweis von André Mattuschka).

Frühere Verbreitung

Trauermantel an feuchter Erde saugend; Foto: Gerd Lintzmeyer; Zeitzer Forst (Rand des Forstgebiets), Sachsen-Anhalt, Deutschland (11. Juli 2003 (morgens))

In älteren Berichten wird immer wieder erwähnt, dass der Falter etwa bis Anfang/Mitte des 20ten Jahrhunderts in vielen Gebieten Deutschlands heimisch und häufig war.

Verbreitung im Rheinland/Westfalen

Der Trauermantel verschwand im nördlichen Rheinland und westlichen Westfalen nach dem kalten Winter 1954/55 vollständig und hat sich seit dem nicht wieder eingebürgert Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae).

Einschub

Dieser ungewöhnlich harte Winter ist auch für das Auslöschen der gesamten Population des Hochmoorgelblings im Hohen Venn/Eifel (Deutschland/Belgien) verantwortlich.

Ohr-Weide; Foto: Ingo Daniels; Hohes Venn, Belgien (September 2003)

Ein fliegender männlicher Hochmoorgelbling im Hinterzartener Moor; An diesem Tag war es im Hinterzartener Moor um die 30° Grad heiß. Rund ein dutzend Hochmoorgelblinge sah ich durch das Moor flattern. Immer wieder setzten sie sich zur Nektaraufnahme vorzugsweise auf die Blüten der Sumpf-Blutaugen.; Foto: Ingo Daniels; Hinterzarten, Baden-Württemberg, Deutschland (05. Juli 2017, 10:50 Uhr)

Durch den fehlenden schützenden Schnee fielen den eisigen Temperaturen sämtliche überwinternden Raupen des Falters zum Opfer Quelle: LÖBF et al., 1997 - Praxishandbuch Schmetterlingsschutz.

Der Hochmoorgelbling ist seitdem im Hohen Venn ausgestorben.

Gelegentliche Sichtungen des Trauermantels im Rheinland und Westfalen sind vermutlich auf gezüchtete Exemplare oder vereinzelte Einwanderer zurückzuführen. Fest angesiedelte bzw. etablierte Populationen sind unwahrscheinlich.

Beachtenswert ist das Jahr 1995, in diesem wurde eine ungewohnt große Anzahl Falter gemeldet, es wurde gar von Wiedereinwanderung gesprochen Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae). Vergleichend mit den Anzahlen von Meldungen in den Niederlanden (ca. 1000 Falter) und Dänemark (ca. 2000 Falter), wo es in 1995 zu Masseneinwanderungen kam, waren die Rheinland/Westfalen-Meldungen allerdings eher bescheiden.

Schon ein Jahr später zeigte sich, dass die Anzahl Falter zu gering und die Wetterbedingungen zu ungünstig für eine erfolgreiche Wiederansiedlung waren.

Selbst in den Niederlanden kam es in der Folgezeit wieder zu einem rapiden Rückgang der Meldungen, so wurden im Frühjahr 1997 dort nur noch 25 Falter gesichtet Quelle: Kinkler, 1997 - War die Hoffnung auf die Wiederansiedlung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) im Rheinland trügerisch? (Lep., Nymphalidae).

Im Kreis Ahrweiler (ca. 20 km südwestlich von Bonn) kam der Trauermantel zwischen 1924 und 1940 zahlreich vor (Quelle: Busch, 1970 - Tag- und Nachtfalter in der Hocheifel[Busch, 1970]):

"... man an Birken und Weiden in allen Tälern ... sofern nur die Futterpflanze dort stand, die großen Raupengesellschaften ... am Futterzweig hingen. Damals hätte man mit Leichtigkeit Tausende von Trauermantelraupen eintragen und zum Falter heranziehen können."

1970 wurde dort kein einziger Falter mehr gesehen.

Trauermantel an einem Blatt hängend (Zuchtaufnahme); Foto: Gerd Lintzmeyer; Lichtetal, Thüringen, Deutschland (08. August 2000)

Im nördlichen Rheinland und in Westfalen starben sämtliche bodenständigen Populationen nach dem sehr harten Winter 1955/56 aus Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae) (siehe hierzu auch /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifVerbreitung und Schutz des Trauermantels (Nymphalis antiopa): Deutschland: Verbreitung in Bonn/Umgebung).

Teilweise haben sich Populationen in Deutschland durch Einwanderungen aus östlicheren Gebieten wieder erholen können. Einem Erliegen der Populationen in Nordbayern in den Nachkriegsjahren folgte beispielsweise ab ca. 1960 eine Wiederbesiedlung aus dem Grenzstreifen zur heutigen Tschechei Quelle: Weidemann, 1988 - Naturführer Tagfalter Band 2 - Biologie-Ökologie-Biotopschutz.

Obwohl der Falter bisweilen enorme Wanderungen unternimmt, breitet er sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kaum weiter aus (im Gegensatz zu anderen Wanderfaltern verläßt nur ein Teil der Falter den Ursprungsort).

In Schleswig-Holstein gilt der Falter als nicht bodenständig Quelle: Kolligs, 2003 - Schmetterlinge Schleswig-Holsteins, Atlas der Tagfalter, Dickkopffalter und Widderchen.

Verbreitung in Bonn/Umgebung

Der Trauermantel ist in Bonn nicht heimisch bzw. bodenständig.

Ich habe den Trauermantel in WikipediaBonn und Umgebung in 50 Jahren nur ein einziges Mal gesehen. Siehe hierzu /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifEigene Sichtungen des Trauermantels (Nymphalis antiopa): Sichtungen ca. 1977.

Einschub

Großer Fuchs im Kottenforst/Bonn; Die Überraschung war groß, als ich im Frühjahr 2014 zum ersten Mal in Bonn einen Großen Fuchs erblickte. Gleich zwei Exemplare zogen am Fuße einer Salweide ihre Runden und setzen sich immer wieder zum Sonnen auf den Kiesweg oder die vertrocknete Vegetation des Vorjahres. Der Große Fuchs ist der nächste Verwandte des Trauermantels.; Foto: Ingo Daniels; Bonn, Kottenforst, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (20. März 2014, 14:20 Uhr)

Ebenfalls ein im WikipediaBonner Raum seltener Besucher ist der Große Fuchs.

Meine erste und bisher einzige Sichtung hatte ich im zeitigen Frühjahr des Jahres 2014. Auf einem Waldweg im WikipediaBonner WikipediaKottenforst traf ich gleich zwei Große Füchse an. Wie ein Trauermantel überwintert auch ein Großer Fuchs als Falter.

Der Große Fuchs wurde vom /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifBund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) NRW Naturschutzstiftung und der /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifArbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen zum Schmetterling des Jahres 2018 gekürt.

Die einzigen mir bekannten weiteren Sichtungen der letzten Jahrzehnte in und um Bonn finden sich in Artikeln von Helmut Kinkler Quelle: Kinkler, 1996 - Wiedereinwanderung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) ins nördliche Rheinland und ins westliche Westfalen (Lep., Nymphalidae) Quelle: Kinkler, 1997 - War die Hoffnung auf die Wiederansiedlung des Trauermantels Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) im Rheinland trügerisch? (Lep., Nymphalidae):

Ort Datum Anzahl Falter
Bonn-Kottenforst 14.04.1996 1
Königswinter-Oberdollendorf 12.09.1995 1
Wachtberg-Pech 17.08.1995 1

Der Drachenfels vom Oelberg aus gesehen; Foto: Ingo Daniels; Siebengebirge, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (11. April 2009)

Vor etwa 150 Jahren muss der Trauermantel aber in der Gegend WikipediaBonns vorgekommen sein: Henry Gardiner Adams (1811-1881) zitierte 1854 einen unbekannten Autor, der auf dem Gipfel des WikipediaDrachenfelses im WikipediaSiebengebirge nahe WikipediaBonn einige Trauermäntel entdeckte (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifAnekdoten über den Trauermantel (Nymphalis antiopa): Henry Gardiner Admas: Beautiful Butterflies: Camberwell Beauty (1854)) Quelle: Adams, 1854 - Beautiful Butterflies: The British Species described and illustrated with an introductory chapter containing the History of a Butterfly through all its changes and transformations.

Rote Liste

Rote Liste Deutschland

Beim Rote Liste Status der einzelnen Bundesländer bzgl. des Trauermantels fällt besonders ein Ost/West-Gefälle auf (ein Großteil der Daten stammt aus Settele et al., 1999 - Die Tagfalter DeutschlandsSettele et al., 1999 - Die Tagfalter Deutschlands).

Schleswig-Holstein: vom Aussterben bedroht Hamburg: stark gefährdet Bremen: gefährdet Mecklenburg-Vorpommern: gefährdet Nordrhein-Westfalen: ausgestorben oder verschollen Rheinland-Pflalz: vom Aussterben bedroht Saarland: vom Aussterben bedroht Baden-Württemberg: gefährdet Bayern: gefährdet Hessen: stark gefährdet Thüringen: nicht auf roter Liste Sachsen: nicht auf roter Liste Berlin: gefährdet Brandenburg: nicht auf roter Liste Sachsen-Anhalt: potentiell gefährdet Niedersachsen: gefährdet

Während im Osten Deutschlands der Falter nicht auf der Roten Liste vermerkt ist, ist er im Westen als "vom Aussterben bedroht" eingestuft.

Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Einstufungen bzgl. der Roten Listen in unterschiedlichen Jahren geschahen und teilweise schon über 30 Jahre alt sind:

Land Jahr Status
Deutschland gesamt 2011 auf Vorwarnliste Quelle: LfU et al., 2016 - Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Lepidoptera: Rhopalocera) Bayerns - Stand 2016
Schleswig-Holstein 1982 vom Aussterben bedroht
Hamburg 1988 stark gefährdet
Bremen 1986 gefährdet
Niedersachsen 1986 gefährdet
Nordrhein-Westfalen 2010 ausgestorben oder verschollen Quelle: LANUV et al., 2010 - Rote Liste und Artenverzeichnis der Schmetterlinge (Lepidoptera) - Tagfalter (Diurna) - in Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz 1992 vom Aussterben bedroht
Saarland 1997 vom Aussterben bedroht
Hessen 1996 stark gefährdet
Baden-Württemberg 1991 gefährdet
Bayern 2016 gefährdet Quelle: LfU et al., 2016 - Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Lepidoptera: Rhopalocera) Bayerns - Stand 2016
Thüringen 1993 nicht auf roter Liste
Sachsen 1998 nicht auf roter Liste
Brandenburg 1992 nicht auf roter Liste
Berlin 1991 gefährdet
Sachsen-Anhalt 1993 potentiell gefährdet
Mecklenburg-Vorpommern 1993 gefährdet
Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie

Der Trauermantel ist in der FFH-Richtlinie nicht aufgeführt.

Zwei Trauermantel-Raupen verlassen die Gruppe; Foto: Dietmar J. Baumgartner; Treffen bei Villach, Kärtnen, Österreich (12. Juli 2005)

Bundesnaturschutzgesetz

Im Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in der Fassung vom 25.03.2002 (siehe /PicturesNA/Misc/spacer_10_10.gifBundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) ist der Falter als

besonders geschützt

eingestuft.

Schutzmaßnahmen

Trauermantel (Zuchtaufnahme); Foto: Dieter Stüning; Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland (ca. 1995)

Folgende Schutzmaßnahmen können den Erhalt der Art sichern und die Verbreitung des Falters - sofern die klimatischen Bedingungen geeignet sind - fördern:

  • Verminderter Einsatz von Insektiziden, damit die wichtige Nahrungsquelle "Fallobst" nicht belastet wird.
  • Einstellen von "Säuberungen" von Waldsäumen. Wiederbewuchs "gesäuberter" Säume auf natürliche Weise.
  • "Sich selbst Überlassen" des Waldes, wodurch z.B. Baumhöhlen, die der Überwinterung dienen, erhalten bleiben und nicht entfernt werden.